
"Gewalt oder Sex", Installationsansicht im Kunsthafen, Köln, 2026
Gewalt oder Sex
Mio Zając zeigt erstmals seine großformatige zweiteilige Arbeit „Gewalt oder Sex“. Dem aufmerksamen Blick erschließt sich die nuancierte Farbigkeit der Malerei in Öl auf Leinwand. Das Helldunkel ist nicht schwarz und weiß, sondern blau-grün-schwarz und gelb-rot-ocker-weiß. Zając eröffnet auf beiden Gemälden durch vielfach überlagernde, dynamische Linien Räume von unbestimmter Tiefe. Sie erinnern an die rätselhafte Schönheit von Bewegungsspuren der Himmelskörper im All auf langzeitbelichteten Teleskopfotografien.
Zając, der häufig mit digitalen Medien arbeitet, kehrt mit „Gewalt oder Sex“ zur Malerei zurück. Aus der Nähe betrachtet überragen die Leinwände das Blickfeld der Betrachter:innen. Die Natur des Kraftfeldes, in das man eintaucht, teilt sich aus der reinen Bildbetrachtung jedoch nicht mit. Die Bilder bewahren ihr Geheimnis, ihren plakativen Titel konterkarierend, für sich.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit medialen Darstellungen von Sex und extremer Gewalt auf Internetplattformen. In diesem Zusammenhang projizierte Zając auf je eine Leinwand ein Pornografie-Video und ein Snuff-Video. In frei gewählten Abständen hielt er die Projektionen an und malte Szenen andeutungsweise, in gestisch ausgeführten Konturen und Lichtpunkten, auf die Leinwände. Die Arbeiten bilden eine Anzahl übereinandergelegter Filmszenen ab und abstrahieren dabei von den extremen Inhalten der im Internet frequent geklickten Genres.
Wer diese Information kennt, sieht die Bilder anders. „Gewalt oder Sex“ irritiert das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Zając verdeutlicht so, dass Reflexion, Einsicht und Mitgefühl nicht notwendig durch visuelle Überwältigung, sondern wirksam über die schmale Treppe des langsamen Einsehens und Verstehens zu erreichen sind.
Sabine Klement

"Gewalt oder Sex", Installationsansicht im Kunsthafen, Köln, 2026

"Gewalt oder Sex
#1"

"Gewalt oder Sex #2"

"Gewalt oder Sex", Installationsansicht im Kunsthafen, Köln, 2026

"Gewalt oder Sex #2", (detail)